Auf der Backstage

Nach der Premiere eines äußerst tragischen Theaterstücks wird den Schauspielerinnen und Schauspielern die Frage gestellt, wie sie sich im Ankleideraum nach betrübenden Aufführungen fühlen, wie eine Tragödie auf sie auswirkt, und wie sie damit Tag für Tag umgehen können, falls ein Stück mehrmals in der Woche gespielt wird. Die Künstler werden von der Frage überrascht. „Wir lachen viel nach einem tragischen Stück in der Garderobe, eigentlich mehr als nach einem tragikomischen. Und das härteste Aufarbeitung benötigen die Komödien, nach denen fällt es schwer uns einander noch einmal zum Lachen zu bringen“, so die Antwort. Es ist beim Geschichtenerzählen ebenso. Um Jeremiaden zu schreiben stehen Tausende Arten und Weisen zur Verfügung, es gibt so vieles Bedrückendes in der Welt. Dramen können kaum falsch klingen, sie veranschaulichen doch die Wahrheit. Sie müssen aufgezeichnet, ausgesagt werden. Doch witzige Situationen zu erzählen, sogar sich etwas Lustiges auszudenken, um Menschen zu erheitern, und das mit Geschmack und ohne bloß einen alten Witz aufzufrischen, gelingt nur in Einzelfällen, meistens eben durch einen Bezug auf das Tragische.

 

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