Klänge der Räume

Ich traf mich an einem Frühlingstag auf der Terrasse eines Cafés mit einer Kommilitonin, um ihr Referat zu besprechen. Die übrigens kleine Terrasse, an der Ecke einer quadratischen Piazza, ging auf eine enge, freundliche Straße, wo Autos im Schritttempo rollten. Sie war, wie auch die Innenräume des Cafés, dicht mit Menschen gefüllt. Wenn wir inne hielten, hörten wir Gesprächsfetzen über das allgemeine Summen verschiedener Stimmen und Geräusche von Vögeln, Bäumen, Autos hinaus.

Und während wir uns da unterhielten, saß meine Tochter mit uns am Tisch, mir gegenüber, und las ein Buch. Ab und zu wechselten wir mit ihr Paar Worte und manchmal lauschte sie unserem Gespräch. Ihre stille Anwesenheit war beruhigend und erheiternd für mich, und so war unser Gespräch für sie.

Peter Zumthor, Schweizer Architekt, als er die Atmosphären beschreibt, erwähnt er unter anderen die Bedeutung des Klangs eines Raums (The Sound of a Space), und besonders die persönliche Wahrnehmung der Klänge. Er sagt, Räume seien wie Instrumente, sie leiten, sammeln und vervielfältigen Klänge. Und diese Klänge erinnern uns manchmal an etwas gemütliches, oder lassen uns die Gemütlichkeit erleben.

The sounds we assosiate with certain rooms: speaking personally, what always comes first to my mind are the sounds when I was a boy, the noises my mother made in the kitchen. They made me feel happy. If I was in the front room I always knew my mother was at home, because I could hear her banging about with pots and pans and what have you.

(…)

How does it really sound, when we walk through it. When we speak, when we talk to each other – what will the sound be? And what if I want to sit in a living-room and talk to three good friends on a sunday afternoon and read a book at the same time?“ Peter Zumthor: Atmospheres, Birkhauser Verlag, Basel 2006 S. 29-33.

Wenn wir Atmosphäre erleben, dem Architekten zufolge, spielt vieles mit. Die Wärme des Frühlings, der Sonnenschein, die Fassade der Gebäude, die spiegelnd transparenten Fenster des Cafés, die vorbeigehenden Fußgänger, das Buch, das meine Tochter fesselt, das Buch von Zumthor, über das wir mit der Kommilitonin sprechen, und die großen Bäume in der Straße, die die Terrasse ein wenig abdecken.

schwimmbad

Altes Schwimmbad. Draußen dämmert es schon, jenseits der Fensterscheiben stehen Bäume. Drinnen ist es hellleuchtend warm und still, nur das Wasser flimmert leise.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. TeteGina sagt:

    Sehr schöner Beitrag! Den Raum zu fühlen, vorallem sich wohl zu fühlen, ist für unser Wohlbefinden sehr wichtig. Im dänischen gibt es den Ausdruck „Hygge“ 🙂

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    1. Herzlichen Dank für die netten Worte, besonders für „Hygge“! Ja, wichtig. 🙂

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