Amüsant über Kunst

Joost Zwagerman: Duell [2010], Übersetzung aus dem Niederländischen von Gregor Seferens, Piper 2018

Ein junger, unorthodoxer Star-Galerist, der während seines bisherigen Werdegangs Künstlertalente entdeckt und aus ihnen Stars gemacht hat, übernimmt die Führung eines renommierten niederländischen Museums. Im Laufe seiner Amtszeit als Direktor muss das Museum umgebaut und deshalb erst einmal geräumt werden.

Er organisiert eine große Abschlussausstellung, nach welcher aber ein sehr bedeutendes und wertvolles Gemälde verschwindet. Er macht sich mit seinem besten Restaurator, einem letzten Ritter seines Berufs, auf die Suche. Die Erzählung der Ermittlung ist humorvoll und diktiert sprachlich ein rasches Tempo. Denn es tauchen keine überflüssigen oder unwichtigen Informationen auf, es stehen keine über die Geschichte hinaus führenden Erklärungen zur Verfügung. Doch die Dialoge und die Umgangsformen stellen schon die Figuren, die Situation und den Kontext dar.

In dem Mittelpunkt steht die Wahrnehmung und die Bedeutung der Kunst. Um die Protagonisten vorzustellen, reicht es aus, zu beschreiben, wie sie mit einander umgehen. Mit anderen Worten: wie sie mit Kunstwerken umgehen. Eine meiner Lieblingspassagen erzählt, wie sich der Restaurator fühlt, nachdem der Direktor das bewunderte, die Welt bedeutende Gemälde – trotz seinem Widerwillen doch letztendlich nach seinen Anweisungen – aufgerollt hat:

„Vielleicht war es wirklich so, und der Restaurator rollte sich selbst tatsächlich auf, ebenfalls mit der »Abbildung« nach außen, doch mit der Seele nach innen, geschützt vor Licht und Berührung.“ S. 107

Die Protagonisten schweben in der Kunstwelt zwischen vollkommener Achtsamkeit und verzweifelter Nachlässigkeit, zwischen hingebungsvoller Professionalität und kreativer Spontaneität hin und her. Alles dreht sich um ein besonderes Kunstwerk, welches idealerweise allen Menschen gezeigt werden sollte, und welches, meiner Meinung nach, durch dieses Buch auf jeden Fall, die Leser selbst miterleben dürfen. Die Beschreibungen geben nämlich das Erlebnis eines Gemäldes auf höchstem Grad wieder, als ob der Leser voller Begeisterung und Vorstellungsvermögen vor ihm stehen würde. Ja, ich, die Leserin, sehe dieses Bild so, dass ich nicht nur vor ihm stehe, sondern es mich auch berührt.

Wenn es über Kunst zu reden möglich und sinnvoll ist, dann so, wie Joost Zwagerman das tut. Und das folgende Zitat hier ist nur der Anfang:

„Zwei Farbflächen, blau und dunkelrot, wurden umrahmt von einem ruhig aufglühenden Gelb – es waren die Mondrianfarben, doch Rothkos Bild fehlte Mondrians klare Strenge. Das Rot und das Blau schienen wie eine Landschaft in glühender Hitze zu flimmern – doch betrachtete man das Bild aus einem minimal anderen Blickwinkel, dann ergossen sich die beiden Farben über den Betrachter wie das kälteste Wasser, das man sich vorstellen kann.“ S. 25

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. kopfmarie sagt:

    Danke an dich liebe Veronika fürs Teilen!

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    1. Veronika sagt:

      Gerne! Danke fürs Lesen! 🙂

      Gefällt 1 Person

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