Öffne verschlossene Türen in die Zukunft

Iunona Guruli: Wenn es nur Licht gäbe, bevor es dunkel wird btb Verlag 2018 ISBN 978-3-442-75799-2

Iunona Guruli wurde 1978 in Tbilisi, Georgien geboren, sie studierte Schauspiel und Journalistik. Seit 1999 lebt sie in Deutschland. „Wenn es nur Licht gäbe, bevor es dunkel wird“ ist ihr Debüt, das sie selbst aus dem Georgischen übersetzt hat.

Die Erzählungen zeichnen Lebenssituationen, Menschen, Geschehnissen mit ein Paar treffenden Strichen. Die Leser erkennen diese Situationen und Figuren als bekannt, real, alltäglich, doch auch, dass diese auch das Alptraumhafte, das Schreckliche, das Grässliche in sich tragen. Die Stimmung der Erzählungen ist düster, schonungslos tragisch, doch manchmal hinterlassen sie statt Tragik nur Schauder.

Einige Figuren können die Leser in ihr Herz schließen. Andere sind einfach – bis zur Satire getrieben – als taktlos und gefühllos dargestellt. Wie Die Nachbarin in der Erzählung „Die besten Möbel im ganzen Dorf“. Dadurch werden wir dann zwar nicht zum Lachen, doch zum Ekeln gebracht. Hier formt die Autorin aus den Monologen (oder Briefen) der Figuren eine Horrorgeschichte mit Blut und zerfetztem Fleisch, wobei wir manchmal starke Nerven brauchen um weiterlesen zu können. In den Geschichten geht es zum Beispiel um Drogenkonsum, Krankheit, Vergewaltigung, Familienleben, es geht um Zusammentreffen von Schuld und Unschuld, von wahren Gefühlen und Gefühlskälte.

Außer Erzählungen finden wir im Buch auch ein kleineres Prosaformat. Die „Kleinanzeigen“ bieten Erfrischung für zwischendurch, sie sind witzig, satirisch, absurd.

Kursangebot

Im Fach Einsamkeit. Der Kurs besteht aus folgenden Modulen:

1. Selbstgespräch, Diskussionsführung und Konfliktlösung.

2. Sich selbst loben, ermuntern. Im Notfall über den Kopf streicheln.

3. Die Vorstellung und Auswahl von imaginären Freunden.

Es wird ein international anerkanntes Zeugnis vergeben.“

Kleinanzeigen S. 61.


Aber die Erzählungen übertreffen manchmal meine Alpträume, sie werden ab und zu surreal und brutal, doch sie stellen eine Realität dar. Hart schlagen sie auf meinen Schädel, während ich permanent das Gefühl habe, alles könnte auch schön oder zumindest harmlos enden. Denn eine leichte Feinfühligkeit: eine Reihe märchenhafter, liebevoller Momente durchzieht sie.

Öffne

Verschlossene Türen in die Zukunft und alle Arten von Zeitschlössern.“

Kleinanzeigen S. 162.

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar. Eine Leseprobe findet ihr hier.

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