Resonanzen finden – Tomás Saraceno: „in orbit“

Ein Netz schwebt in mehr als 25 Metern Höhe über der Piazza und unter der üppigen Glaskuppel der Kunstsammlung K21 in Düsseldorf. Durch das Betreten der Rauminstallation „in orbit“ (Tomas Saraceno) verlassen wir den festen Boden, und vertrauen uns auf schwingende, zusammen-gewebte Stahldrähten. Es bringt mit sich uns auf dem Netz mit anderen Menschen zu bewegen, während jeder von uns das Netz ins Schwanken bringen kann. Wir müssen deshalb da oben Resonanzen finden.

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Als Besucher der Rauminstallation „in orbit“ befindet man sich in einem vernetzten Raum, der zur Stadt und zum Himmel geöffnet ist. Liegend im flexiblen Netz schaut er vielleicht nach oben. Sein Blick wandert zunächst durch Netzschichten, dann durch die Glaskuppel, sucht nach Häusern und entspannt sich an den Wolken an sonnigen Tagen oder an blaugrauen wässrigen Verwischungen auf dem Glas beim Regen. Dann wandert sein Blick herum des Weiteren nach unten, spürt still den Besuchern, dem Gebäude nach, wühlt weiter die Etagen, die Öffnungen durch… Ein lebendiges Spektakel.

Als Besucher nimmt man die Umwelt, darunter das Gebäude, die schwebenden Wolken und den Himmel und darüber hinaus auch sich selbst als lebendigen Teil des Kunstwerkes aus verschiedenen Perspektiven wahr. Diejenigen, die sich auf dem Netz gemeinsam mit anderen Menschen bewegen, finden Resonanzen, erleben die Installation uneingeschränkt beweglich.

Denn die Bewegung des Einzelnen verändert sich, sobald er sich nicht mehr alleine im Raum befindet. Die Wege werden anders gesteuert, um Zusammenstöße zu verhindern. Nicht nur der Rhythmus der Schritte muss im Netz eine Resonanz finden, damit sich die Menschen dort bewegen können, auch ihr Umgang mit einander, trotz ihrer Fremdheit, erfordert eine bestimmte Harmonisierung. Wir nehmen die Mimik, das persönliche Verhalten, wie auch die Gesten von einander wahr. Ohne spektakuläre Reaktionen zu zeigen, reagieren wir aufeinander, sprechen miteinander, ermutigen uns, lächeln uns an oder reagieren auch nur in unser Fortbewegung aufeinander.

inorbit

Immer neue Konfigurationen kommen zustande, Menschen kommen und gehen, ihre Wege treffen sich, kreuzen sich, verwickeln sich und trennen sich. In diesem Strom von Geschehnissen wirkt alles zusammen wie ein lebendiges Netzwerk: die Menschen, das Gebäude der Kunstsammlung, bzw. die Umwelt, die Stadt, die Wolken, das Wetter, alles, was man durch die Glaskuppel sehen kann. Und alles ändert sich ständig.

Wie kann eine künstlerische (oder schriftliche) Struktur offen, veränderbar und in Bewegung sein? Diese Frage kann ich am besten mit dem Hinweis auf die Installation von Tomas Saraceno beantworten. Sie bietet bewegliche Perspektiven, Möglichkeit für die Teilnahme.

Alles bewegt sich – Tim Ingold

Transformation – Galloway/ Thacker

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