Tanz

Wir befanden uns im Tanzhaus. Wir wollten etwas vom Tanz und von der Choreografie erfahren. Der Raum war auf der einen Seite mit Fenstern ausgestattet, dementsprechend war er bei Tageslicht sehr hell.

Die Musik erklang, und wir schauten uns einander fragend an. Am Anfang schloss ich meine Augen und konzentrierte mich auf den Rhythmus, dann versuchte ich die Tanzschritte des Samba, die ich früher gelernt hatte. Diese Schritte konnte ich der rassigen Musik locker anpassen. Nach ungefähr 5 Minuten, nachdem die Musik und der Rhythmus unseren Körper gepackt hatte, verschwand allmählich unsere Ratlosigkeit. Dann tanzten wir. Ich dachte öfters über einen Fluchtweg oder über eine Ausrede nach. Doch danach fühlte ich mich ausgeglichener und ruhiger, als je zuvor, wie ich mich erinnern kann. Keine Spur meiner Nervosität war übrig geblieben.

Was war das eigentlich für Tanz? Panzerung, Ängste abzubauen, den sicheren Boden zu verlassen um für einen kurzen Moment frei zu „fliegen“. Obwohl wirklich frei fühlten wir uns gar nicht, es war eben helllichter Tag. Unsere primäre Verwirrung war nicht zu übersehen, wie wir ein wenig Zurückhaltung aufgeben mussten. Der Zwang des freien Fliegens ist paradox. Diese Erfahrung zeigte, man muss mitunter gezwungen sein, den sicheren, festen Halt zu verlassen, sich zu öffnen. Vielleicht hat man etwas auszudrücken. Mir flogen allerdings durch die Musik trotz der anfänglichen Verblüffung die Bewegungen und später die passenden Worte zu. Aber ich sagte erst einmal nichts, und was ich dann vorführte, waren nicht meine Ängste. Sie machten sich zum Schluss nämlich aus dem Staub.

Der Tanz kann paradox sein. Ich nahm beim Tanzen die Zeit nicht unbedingt ganz wahr, 20 Minuten schienen wie 5 zu sein oder umgekehrt. Ich bewegte mich fortlaufend fröhlich, doch nach einer Weile hielt ich kurz inne und wurde mir etwas bewusst. Ich lächelte beim Tanzen. Freude und Tanz schienen verbunden zu sein. Freilich ist die Freude nur eines von den Gefühlen, welche die professionellen Tänzer ausdrücken können. Sie haben auch das künstlerische Instrumentarium Trauer oder Ängste darzustellen. Und sie dürfen sich selbst nie vergessen, sie müssen die Zeit sehr genau wahrnehmen, der Choreographie folgen, und doch frei und leicht fliegen wie ein Vogel.

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