Vielfach und widersprüchlich

Derrida stellt in seinem Essay „Sporen“ die Schrift als Gewebe dar, um zu zeigen, wie vielfältig und gegensätzlich die Behauptungen in manchen Fällen, zum Beispiel bei Nietzsche, erscheinen. Mit welchen von diesen Behauptungen soll also der Leser den Autor identifizieren? Mit welcher identifiziert er sich? Welche ist die Aussage, die Nietzsche ausmacht?

Nietzsche ist im Gewebe des Textes ein wenig verloren, wie eine Spinne, dem ungleich, was durch sie entstanden ist; ich sage mit Bedacht wie eine Spinne oder wie mehrere Spinnen: diejenige Nietzsches, die Lautréamonts, die Mallarmés, die Freuds und die Abrahams.“ (Derrida: Sporen S. 205)

„… da sie [die Wahrheiten] vielfach, bunt und widersprüchlich sind. Es gibt also keine Wahrheit an sich, sondern zu allem Überfluss, sogar für mich, von mir, ist die Wahrheit vielfach.“ (S. 206)

Das Wort Gewebe impliziert auch einen Widerstand. Durch die Texten von Nietzsche beleuchtet Derrida, auf welche Art und Weise die Schrift dem hermeneutischen Kreis der Interpretation, der Metaphysik des Unsagbaren, der Dialektik des Denkens, den verborgenen Machtstrukturen widerstehen kann. Wie die Schrift (das Gewebe) mit Stil (Stilett, Sporn), genauer gesagt, mit Stilen aufgerissen werden kann. In der Öffnung kann das Subjekt auftauchen, aber sich gleichzeitig auch auflösen.

Jacques Derrida: Sporen. Die Stile Nietzsches [1972] In: Werner Hamacher (Hg.): Nietzsche aus Frankreich, Europäische Verlagsanstalt, 2003

dreilichter

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