Antigone von Sophokles im Theater Oberhausen

Eine zeitgenössische Übertragung. Das Publikum ist in verschiedenen Maßen einbezogen. Mit einigen engagierten Zuschauern zusammen saß ich zum Beispiel auf der Bühne. Ein Paar Mal waren wir aufgefordert, mitzumachen, mit zu tanzen, aber nur soweit, wie wir wollten. Einige unter uns entpuppten sich im Laufe der Vorstellung als Statisten. Wir tanzten mit meiner Freundin bei einem griechischen Tanz mit, sonst erwiesen wir uns als lebendiges Bühnenbild. Die meisten Zuschauer (wenn nicht alle) reagierten (ohne Worte) wie eine Gemeinschaft, wenn sie als eine angesprochen waren, somit spielten sie doch die Rolle des Chores.

Das finde ich allerdings völlig in Ordnung. Mehr Mitmachen hätte uns lächerlich gemacht. Im Theater spielen wir doch die Rolle des Publikums nach der Regie. Wir fühlen mit, wir denken mit. Wie wir uns fühlen, ist unsre Teilnahme. Viele Emotionen, wie Mitleid, Scham, Angst, ab und an sogar Freude regte das Stück in mir an.

Antigone war von einem Mann gespielt, was im antiken Theater gewöhnlich gewesen war. Doch in Oberhausen ließ das eine Erfahrung des Rollenwechsels und Geschlechtstausches entstehen: Antigone könnte auch ein Mann oder ein transsexueller Mensch sein. Durch die politischen Hinweise war Antigone ein junger Rebell (von unbestimmtem Geschlecht) von heute. Ich konnte Antigone‘s Perspektive aufnehmen, nachvollziehen, ich konnte mit Antigone mitdenken, mitfühlen. Und am Ende auch mit Kreon.

Doch es gab in dieser Aufführung keine Erlösung. Denn Antigone‘s Opfer wird in das Schaufenster gebracht, als Slogan verwendet, aufgezeigt und sogar konsumiert. Aber ihr Opfer bleibt einsam und sinnlos.

Regie: Babett Grube

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Foto: Isabel Machado Rios

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