Dem gegebenen Faden folgen

Der Text ist ein Gewebe, behauptet Jacques Derrida. Die Fäden anzurühren, neue Fäden hinzuzufügen, in das Spiel einzutreten, ist die einzige Möglichkeit, das Gewebe freizulegen:

Die Verschleierung der Textur kann durchaus Jahrhunderte erfordern, ihr Gewebe (toile) freizulegen. Gewebe umhüllendes Gewebe. Jahrhunderte, das Gewebe freizulegen. Es also einem Organismus gleich wiederherstellend. Endlos sein eigenes Weben (tissu) regenerierend hinter der schneidenden Spur, Dezision einer jeden Lektüre. Der Anatomie oder Psychologie einer Kritik immer eine Überraschung vorbehaltend, die glaubte, Herr des Spiels zu sein, alle Fäden davon zugleich zu überwachen, sich so dem Trug hingebend, den Text erblicken zu wollen, ohne daran zu rühren, ohne an den „Gegenstand“ Hand anzulegen, ohne Gefahr zu laufen, dem irgendeinen neuen Faden hinzuzufügen – einzige Chance, ins Spiel einzutreten, indem man die Finger zur Hilfe nimmt. Hinzufügen heißt nicht anderes, als lesen geben. Man muss sich auf die Ordnung einlassen, um das da zu denken: dass es nicht darum geht, hinzuzudichten, außer in Anbetracht, dass hinzudichten zu können auch heißt, sich darauf zu verstehen, dem gegebenen Faden zu folgen.“

(Derrida: Dissemination [1972] Ü: Hans-Dieter Gondek, Passagen Verlag, 1995 S. 71-72.)

rhein (Case Conflict)

Hochwasser Rhein, Düsseldorf, Januar 2018

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