Alte Freundschaften

An meinem Geburtstagsabend vor ein Paar Jahren schrieb mir meine beste Freundin aus dem Gymnasium, dass sie mir zum Geburtstag eine glückliche Version von mir wünsche. Sie pflegt mir sonst keine E-Mails zu schreiben, sie ist diejenige, die keine Zeit und keine Lust hat irgendjemandem Briefe zu schreiben. Das Nichtschreiben ist charakteristisch bei meinen Freunden. Aber wir halten den Kontakt in Facebook oder rufen uns an, klingeln bei dem anderen oder aber wir treffen uns zufällig unterwegs.

Mit dieser Freundin traf ich zum Beispiel zweimal zufällig absurderweise an kleinen Urlaubsorten. Zum ersten Mal nach 7 Jahren Stillstand. Nach dem zweiten Mal nahm ich diese Freundschaft wieder richtig ernst trotz der 1000 km Entfernung, die uns trennt. Sie braucht mich, oder ich brauche sie, drückten mir die zufälligen Begegnungen aus. Wieder vergangen ein Paar Jahre, während wir ebenso viel quatschten, wie früher, wieder zusammen Abenteuer erlebten, wie in den alten Zeiten, und einander auf den Keks gingen, wie noch nie.

Als ich mich mit meinem besten Freund aus der Studienzeit nach 5 Jahren Stillstand zufällig an einem Urlaubsort traf, begrüßte er mich mit dem Satz: „Ich habe dich eingeholt!“. Dann stellte er seine Frau guter Hoffnung vor und behauptete, er habe bald mehr Kinder als ich. Seine Frau habe aus ihrer früheren Ehe drei Kinder mitgebracht. Ich freute mich über sein Glück. Später fragte ich mich dennoch: „Wer hätte gedacht, dass meine Kinder für ihn eine Herausforderung bedeuten?“. Ich kam zu der Schlussfolgerung, dass wir trotz der räumlichen Entfernung doch nähere Verbindung miteinander pflegen müssen, da wir noch rivalisieren können. Nach so vielen Jahren Freundschaft kann ich sagen: wir sind in vielen Sachen nicht einverstanden, doch wir können über alles sehr harmlos, immerhin liebe- und verständnisvoll diskutieren. (Wir haben zwischendurch ein neues Thema: Kindererziehung, worüber wir aber nicht diskutieren wollen. „Es ist sehr hart. Wie hast du das gemacht?“ „Keine Ahnung, sehr kompliziert.“ Und dann schildern wir einander detailliert die Situationen.)

Fazit: man kann die besten Freunde auch bei der großen zeitlichen und räumlichen Entfernung nicht hinter sich lassen. Auch wenn man sich um sie nicht kümmert, auch wenn man hier und jetzt lebt und in seiner Nähe Mitmenschen sucht, mit denen man zu tun hat: Die Freundschaften existieren nicht einfach hier und jetzt, und aufgrund aktueller Notwendigkeit. Ob wir uns einander brauchen, uns einander gut tun? Auf eine bestimmte Weise ja.

baumspiegelung

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