Mapping it out

Die Perspektiven wechseln zu können ist eine Herausforderung für die heutige, wie es war auch für die vergangene Menschheit. Es ist ein Thema für die Literatur, ebenso wie für die Architektur und für die bildende Kunst.

Der Schriftsteller Tom McCarthy meint, dass das Problem der Perspektive das Problem der Karte sei. Er sagt im Vorwort für das Buch Mapping it out (S. 6-7) anhand des Beispiels von Melville’s Moby Dick: „the entire domain of literature, it seems, is tied up in the question of the map.“ Die Literatur hat damit zu tun, was eine Landkarte ausmacht. Nämlich eine Landkarte akzeptiert, dass ein festes und vollendetes allgemeines Wissen nicht möglich sei. Sie reflektiert, dass aus verschiedenen Perspektiven verschiedene Erkenntnisse hergeleitet werden können, sodass das Wissen mit Ideologien und Machtstrukturen verbunden ist. Kartographie kann die verschiedenen Perspektiven, die Komplexität der Aspekte wiedergeben, und sich zwischen diesen Perspektiven bewegen, sich sogar ändern. Ein Beispiel aus der bildenden Kunst ist das Gemälde von Hans Holbein dem Jüngeren, Die Gesandten (1533). Das Bild zeigt einen Schädel, der nur aus einem bestimmten Blickwinkel zu sehen ist. Dieses Bild konfrontiere uns nicht nur mit der Vergeblichkeit des Wohlstandes und des Ranges, sondern auch mit der Perspektive, so McCarthy. „We live in the gaps: the oblique, morphing interzones between perspectival regimes that themselves are anything but stable.“

Laut McCarthy können nicht nur bestehende Strukturen kartographiert werden, sondern auch der Widerstand einer Ideologie, alternative Anordnungen und die Zukunft. Sogar die Atmosphäre der Erde. Durch eine Karte können wir experimentelle, visionäre Möglichkeiten nachvollziehen und obendrein auf visionären Feldern navigieren. „Maps are often an abstraction of the physical or conceptual world – a symbolic depiction of a space or idea that allows one to understand and navigate an unfamiliar topography or complex topology.“

Hans Ulrich Obrist (Hg.): Mapping It Out: An Alternative Atlas of Contemporary Cartographies, Thames & Hudson, London (2014)

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