Sonnenbad

Ich sitze auf der Fensterbank und bewundere die Farben im Garten. Büsche, Bäume, Himmel! Wenn ich stärkere Sehstörung hätte, könnte ich die scharfen Konturen der Bäume beim heutigen Frühlingslicht nicht wahrnehmen. Wenn ich überhaupt nichts sehen könnte, wie könnte ich mir diese Schönheit vorstellen? Wie erzähle ich jemandem über das Licht, die Farben, der nichts sehen kann? Da unsere Kultur sehr visuell, sehr von dem Bild geprägt ist, wie definiere ich Schönheit, ohne auf das Sehen hinzuweisen?

Ich sitze mit geschlossenen Augen auf einer Bank. Es ist ein kühler Frühlingstag, aber die Sonne scheint. Ich drehe meinen Kopf so, damit mein Gesicht so viel Sonnenschein auf sich spürt, wie möglich. Meine Augen darf ich nicht öffnen, denn in die Sonne zu blicken würden ihnen schaden. Der Wind streichelt meine Haut, ich lausche den kleinen Kindern, die am Spielplatz spielen. In der Nähe führt ein Fußweg durch den Park, ich höre manchmal Schritte, langsame oder schnelle, Schritte von einem Menschen oder von zwei, drei oder mehr Leuten. Meine Augen sind zwar geschlossen, aber ich empfinde keine Dunkelheit, sondern ich spüre Licht und Wärme. Mich begrüßt dann eine mir bekannte Stimme, und ich höre, sie gönnt mir das Sonnenbad.

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