Dschungel

In der Informationsflut ist der Mensch orientierungslos. Somit können Dschungel und Informationsgesellschaft sinnlich für einander stehen. Die Ausstellung in der Kunsthalle Düsseldorf spielt diese doch gegensätzlichen Kategorien ineinander.

Welcome to the Jungleist durchaus ein einladender, gerockter Titel, hier heißt es, die Besucher können sich selbst die Wege im Dschungel aussuchen: sie können sich in den Räumen der Kunsthalle selbstständig orientieren, sich von den Installationen inspirieren lassen, die sich mal kritisch, mal verrückt, mal humorvoll, mal leger, mal musikalisch äußern. Die Besucher können sich Entscheidungen treffen, und sie werden sich unterwegs vielleicht gefragt fühlen, oder werden sich selbst fragen, welcher Weg der richtige oder welche Wege die richtigen sind. Doch jeder gibt seine eigene Antwort darauf.

Innerhalb der großzügigen Problematik schienen mir jedoch die international ausgewählten Werke ästhetisch sehr verschieden zu sein, und manchmal vereinzelt, manchmal aber im Dialog mit einander zu stehen. Großformatige Installationen thematisieren soziale und moralische, dennoch alltägliche Problemen. Im Film von Jonathas de Andrade singt ein Brasilianer Hirte eine Ballade über die Pferdereiter, die in einer Stadt mit ihren Kutschen rasen. Der Film stellt den Kontrast zwischen Freiraum und Zwang dar, welchen das Leben produziert.

Eine andere Installation fokussiert sich auf das Rauchen, außerdem wird den Besuchern  die Möglichkeit angeboten, sich im Rahmen einer Performance eine Zigarette anzuzünden (Laura Lima). Kristina Buch präsentiert in einem Video die Zeit, die sie mit ihrem Huhn verbracht hat. Sie wollte nach ein Paar Monaten aus dem Tier in einer Performance eine Suppe zubereiten und mit den Besuchern verzehren. Sie lebte mit dem Huhn dann Jahrelang, weil sie zwar alle Unterstützung für den Projekt erhalten hatte, doch keine Möglichkeit für die letzte Inszenierung des Ende des Huhnes.

Manchmal ergänzen die ausgestellten Werke einander, wie im Fall einer riesigen Videoprojektion in dem großen Zuschauerraum des Museums mit atemberaubenden Naturaufnahmen über den Urwald in Brasilien (Mario Pfeifer) und eine Bodeninstallation in dem gleichen Raum. Wir gehen, stehen oder sitzen hier auf mit großen Kieselsteinen bedeckten Gitterrosten (Cinthia Marcelle). Diese Installationen transportieren uns aus der Komfortsituation des Wohnens und Stadtlebens heraus in einen anderen Dschungel.

Die Videoarbeiten von Oto Hudec spüren Möglichkeiten auf, wie die Komfortzone verlassend die Natur und damit die Sehnsucht für die Freiheit zu erleben ist. Der Künstler zeigt sich in der Mitte der Landschaft (zum Beispiel auf einem Maisfeld in Amerika, wo im Hintergrund zwei dicke Kühltürme rauchen, oder auf prachtvollen Berglandschaften in Georgien), wie er dort allein (für die Pflanzen) musiziert. In einem Video (The Day of Corn Bread, 2018) entfacht er ein Lagerfeuer im Freien, und backt daran Maisbrot mit Mehl, Wasser und Asche. Letzte gewinnt er aus abgebranntem Holz und kocht sie im Wasser  (südamerikanische Indianer machten Mais mit sauberer Asche bekömmlich). Diese Videoaufnahmen übermitteln eine Begeisterung für die schlichte Schönheit der Natur, und des naturnahen Lebens, gleichzeitig weisen auch auf das moderne Stadtleben hin. (Kunsthalle Düsseldorf, 3. März – 21. Mai 2018)

asche

schalplattenbrot

 

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