Stadtrundgang

An einem Frühlingsmorgen landen wir in einer großen Stadt auf einem im Sonnenschein badenden Platz, der von CaTerrassen mit ihren Sonnenschirmen, kleinen runden Tischen, schicken Stühlen und flinken Kellnerinnen und Kellnern eingenommen wird. Der Platz kommt einem vor wie ein Kaffeehaus, oder nicht nur ein, sondern eine kunterbunte Mischung von Kaffeehäusern. Rundherum besteht er aus eleganter Gastwirtschaft, während in der Mitte des Platzes die Menschen sich in Gruppen tummeln.

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Die Stühle sind noch leer, die Touristen sammeln sich, tummeln sich noch fröhlich im Frühlicht in der Mitte des Platzes.

Aus einem Kaffeehaus brechen ein hochgewachsener Mann und vier hübsche kleine Gestalten, Kellnerinnen aus. Der große Mann spricht die Touristen, in erster Linie die sprachlos überraschten Kinder an. Er bietet ihnen Eis an, das die im Kleinen Schwarzen angezogenen Kellnerinnen ihnen in fingerhutartigen Bechern überreichen.

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Der große Mann zieht seine Jacke aus, klebt sich eine rote Nase in das Gesicht, und startet seine Produktion: Jonglieren. Nachdem das Eis ausgegangen ist, drückt er den Schaulustigen eine Clown Mütze auf den Kopf. Manche von ihnen freuen sich, die Mitmenschen lachen darüber. Der Clown kommt sehr schnell heran, er findet seine Opfer in verschiedenen Ecken der Piazza, dann plötzlich verschwindet er, so wie er kam.

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Aus jedem überfüllten Platz führt – außer belebten Straßen – auch eine verlassene Straße heraus. Auch hier gibt es Leben. Landstreicher Typen, wie Aragorn aus dem „Herr der Ringe“ halten Ausschau teilweise nach den Passanten, teilweise nach ihren Bierdosen und den Spielkarten. Wenn jemand von ihnen laut „ÄÄHMGHR!“ brüllt, antwortet der Andere elegant mit samtweicher Stimme: „Ja, du hast recht. Das Leben ist wunderschön!“

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In einer engen, verlassenen Straße der Stadtmitte spielen also, ohne Sehenswürdigkeit zu bieten, Landstreicher“. Sie sind keine Störenfriede, im Gegenteil. Irgendwie lustig. Sie kampieren einfach ganz frei da. Wie zu Hause. Nicht so die Menschen, wir, die nur durch die Straße laufen, wie diejenigen, die sich verlaufen haben.

Wenn man sich ein wenig verläuft, möchte man vielleicht doch schnell anderswo sein. Und so sind wir demnächst tatsächlich. Die enge, gespürt lange Straße geht auf ein breites Gestade, welches sich dann sehr geräumig erweist. Plätze in verschiedenen geometrischen Formen, voll von Touristen und Straßenkünstlern folgen auf einander, geschmückt von eleganten Kaffeehäusern, schönen Lichtern. Sie umgeben eine Art von Amphitheater mit verschiedenen kleinen Springbrunnen. Auf dem Podium spielen Artisten, auf den Treppen musizieren Chören, weiter entfernt, doch noch in einer Platzmitte spielt jemand Schlagers mit einer Gitarre, eine andere Ansammlung bildet ein Pantomime Künstler, abseits dessen sitzen Yogis, ein hält den Anderen mit einer Hand.

Aus einer Verwunderung fallen wir in die andere. Dieser Wirrwarr von Schauspiel und Musik zieht viele Menschen an und lässt sie nicht gehen. Die Kinder tanzen im Springbrunnen, ihre Klamotten sind pitschnass. Niemand flieht ohne eine Produktion von hier. Wir essen noch ein Eis. Weil das Allererste nicht schmeckte. (Schnöder Undank der Touristen).

Bald folgt noch eine Stadtführung mit einem kleinen zum Zug maskierten Bus, und ein Spaziergang im Zoo. Und zum Schluss suchen wir erschöpft den Weg nach Hause. In einer unbequem eingerichteten Straße, wo wir um die auf dem Bürgersteig parkenden Autos herum gehen müssen, kommt eine bekannte Gestalt mit elastischem Schritt uns gegenüber. Der Mann ist groß, ein wenig Lebenskünstler oder sogar Landstreicher, mit heruntergekommenen Stil-Merkmalen. Er scheint sich zu beeilen, aber er lächelt uns noch an. Woher kennen wir ihn? „Hat das Eis geschmeckt?“, fragt er als Begrüßung, doch ist er an uns schon gleich vorbei.

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