Zahl der Publikationen zählt mehr als ihr Inhalt

Ein diskussionswürdiger Appell: “Das Leitbild der Universitäten ist heute nicht mehr die Autorenexistenz in Gestalt des wortmächtigen Individualforschers und des reizbaren Intellektuellen, der auf die Synthese des Denkens zielt, seine Ideen in Bücher packt, ein eigenes Werk entfalten möchte. Als Ideal dient lange schon die Indikatorenexistenz des Wissenschaftsmanagers, der durch gewaltige Drittmittelsummen und die schiere Zahl seiner Fachaufsätze punktet. (…) Der heimliche Lehrplan, der sich hier offenbart, lautet: Vergiss die Inhalte, investiere in Quantität. Und bediene die offiziellen Indikatoren im Dienste eines Selbstmarketings, das Erkenntnishunger lediglich simuliert. Wie kommt man da raus? (…)” von Bernhard Pörksen Kritik an Wissenschaftsbetrieb – Deutschlandfunk Kultur

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(imago/ Ikon Images)

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Mario Donick sagt:

    Danke für den Hinweis auf diesen Beitrag.

    Der Autor schreibt: „Vielleicht müssen die Geistes- und Sozialwissenschaften auf dem Weg zu mehr Relevanz ihre opportunistische Imitation naturwissenschaftlicher Exaktheitsideale ablegen.“

    Das wäre eine Gegenbewegung zu neueren Entwicklungen wie den Digital Humanities, die sich seit einer Weile daran machen, eigentlich klassisch-geisteswissenschaftliche Themen auf eher natur- bis ingenieurwissenschaftliche Weise zu bearbeiten.

    Letztlich geht es auch um die Frage, mit welchem Ziel man wissenschaftliche Erkenntnis produziert. Geht es um „den großen Denker“, der jetzt mal allen die Welt erklärt und dessen Name für ein Forschungsprogramm steht? Oder geht es um die Sache, hinter die Individuen zurücktreten? Geht es um Grundlagen oder praktische/wirtschaftliche Verwertbarkeit? Oder schlicht um das eigene Überleben im Universitätsbetrieb mit befristeten Drittmittelprojekten…

    Gefällt 1 Person

    1. Ich glaube auch nicht, dass es den Geisteswissenschaften an großen Persönlichkeiten oder übergreifenden Welterklärungen mangeln würde. Nicht die Biografie sollte zählen, aber auch nicht die Zahl der Publikationen. Ich glaube auch, dass hier richtig problematisiert wird, dass es so oft einerseits schlicht um die wirtschaftliche Verwendbarkeit geht, und nur danach um eine praktische, obwohl es vielleicht auch um eine theoretische Verwendbarkeit gehen könnte. Andererseits geht es, meiner Meinung nach, um die Methodologie. Natürlich sollte der Autor nicht die Bemühungen ablehnen, die Exaktheitsidealen entsprechen wollen, und die Methoden begrüßen, die die informationstechnische Entwicklung wahrnehmen, die Themen und Techniken anderer Wissenschaften anwenden. Doch auch den Wunsch kann ich nachvollziehen, dass Geisteswissenschaften eine (oder lieber viele) eigene Methode(n) entwickeln.

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