Licht: Wahrnehmung im Medienzeitalter

Es scheint dem Beobachter nicht möglich zu sein, sich am Anblick der urbanen Landschaft satt zu sehen. Das Sehen erstellt ein Gesamtbild, doch der ganze Horizont lässt sich nicht auf den ersten Blick erfassen.

„Catching the Light“ Ausstellungsbericht 1. Teil

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Corinne Wasmuht: aus der Serie / from the series „Menschen im Kunstlicht“, 2000
Öl auf Papier auf Holz kaschiert / oil on paper mounted on wood, zweiteilig, je / two parts, each 24 x 32 cm, Courtesy Kunsthaus NRW Kornelimünster
Foto: Achim Kukulies, Düsseldorf, KAI 10 | Arthena Foundation

 

Wie ändern die verschiedenen künstlichen Beleuchtungen, die faszinierenden Lichtinstallationen, die Entwicklung der multimedialen Techniken, die neuen neurowissenschaftlichen Kenntnisse das Sehen und die Darstellung des Gesehenen? Auf diese nicht abschließbare Fragestellung bietet die Ausstellung der KAI10 mit dem Titel „Catching the Light“ traditionell basierte, doch neue Darstellungsmöglichkeiten suchende Antwort-Fragmente und vielfältige Eindrücke (in meiner Interpretation). Die Ausstellung widmet sich in erster Linie der Malerei, der traditionellen Ausdrucksform der Kunst, doch aus der Perspektive des fortgeschrittenen Medienzeitalters.

Ein beeindruckendes, großformatiges Bild zieht in dem geräumigen Ausstellungsraum der Galerie unser Blick auf sich.

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Corinne Wasmuht: Pehoé Towers, 2013, Öl auf Holz / oil on wood, 197 x 715 cm, Courtesy Galerie Johann König, KAI 10 | Arthena Foundation

 

Das Bild scheint Momentaufnahmen zu zeigen. In der Mitte steht eine Gestalt, die sogar etwas, möglicherweise ein Fotoapparat in der Hand hält, als ob sie gerade ihr Spiegelbild in der städtischen Umgebung fotografieren würde. Wie ein Beobachter. Menschen, Gesichter, Klamotten, Alten, Jungen, Familien, Grünflächen, Straßen, Bauwerke füllen das farbenfrohe Tableau. Doch es scheint dem Beobachter nicht möglich zu sein, sich am Anblick der urbanen Landschaft satt zu sehen. Das Sehen erstellt in solchen Fällen ein Gesamtbild, doch der ganze Horizont lässt sich nicht auf den ersten Blick erfassen. Der Blick wandert wahrscheinlich hin und her. Der Beobachter stellt den gesamten Anblick mehrmals her und versucht den richtigen zu rekonstruieren.

So ist zu erklären, dass sich eine bestimmte Einstellung im Bild dreimal wiederholt, doch sich immer andere Details erheben. Immer andere Gesichter, andere Gestalten bekommen mehr Bedeutung, werden erkennbar, während andere fehlen, oder werden nur angedeutet. Das Ölgemälde erinnert zwar an gewöhnliche Bildaufnahmen, so auf Fotografien oder auf impressionistische Gemälde, denn es versucht bildlich zu ertasten, was und wie wir sehen. Mit dem Anspruch auf Genauigkeit, Vollständigkeit, was Farben, Lichter, Perspektive betrifft. Was für Rembrandt der Kontrast zwischen der Dunkelheit und dem beleuchteten Gegenstand war, und für Monet das Vibrieren des Lichts bei den ‚open air‘ Einstellungen, das ist bei dem Pehoe Towers die Mannigfaltigkeit durch die Auswirkung multimedialer Techniken.

(Aus dem Handout der Ausstellung ist zu erfahren: das Bild ist von Eindrücken aus einem Nationalpark im Süden Chiles inspiriert und die urbane Szenerie basiert auf Fotografien, die die Künstlerin in Köln gemacht hat.)

Catching the Light KAI 10 | ARTHENA FOUNDATION

ASTRID BUSCH, CLEMENS FÜRTLER, EBERHARD HAVEKOST, ANNE KAMINSKY, MISCHA KUBALL, NADIA LICHTIG, URSULA OTT, JAMES TURRELL, CORINNE WASMUHT

13. April 2018 bis 7. Juli 2018

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