Sommerlektüre 2.

Ich verabschiede die Fußball Weltmeisterschaft mit kurzen sommerlichen Buchempfehlungen aus der englischen und französischen Literatur.

⚽ Im Buch „Die Entführung der schönen Hortense“ ([1993] in Übersetzung von Eugen Helmlé Carl Hanser Verlag, 1991) sind Katzen, Hunde, Ponys echte Romanfiguren. Sie besitzen einen bestimmten Charakter, erleben Gefühle, ebenso, wie Menschen. Sie können uns allerdings viel mehr verheimlichen als umgekehrt. In satirischen Romanen von Jacques Roubaut können sie nicht fehlen. Die Entführung der schönen Hortense“ entdeckte ich bei dem Ausverkauf alter Bücher in einer Bibliothek. Roubaut kannte ich damals als Dichter, der sich sehr für Troubadour-Lyrik interessiert. Und als Mitglied der Gruppe Oulipo (mit Italo Calvino, Georges Perec, Raymond Queneau zusammen). Gleich die ersten Sätze überzeugten mich: das Buch, der zweite Band eines Romanzyklus, ist ein Lesevergnügen. Voller literarische, filmische Andeutungen, Sprachspiele, Reflexionen auf das Lesen und das Schreiben. Ein Zitat von dem Auftakt des Buches:

„Der einzige Lichtschein kam von den Sternen und dem Frühlingsvollmond, neben dem die städtischen Straßenlaternen lächerlich erschienen. Schwarz waren die Grünpflanzen der Gudule-Bar; schwarz die Blätter der Bäume in der Grünanlage; weiß und pipigelb der Sand im Sandkasten; dunkelblau der Himmel auf dem Grunde der Kompottschale der Gestirne. Kein Auto, kein Autobus T (fakultative Haltestelle) störten die meditative Stille der Straßen (so wenig wie meditative Straßen übrigens). Kein Mensch, keine Seele. Folglich auch keine Menschenseele. Die Geräusche der Stadt drangen nur schwach, wie von ferne, aus einer anderen Welt, herüber: aus der Welt der Angst, des Vergänglichen, der Illusion; aus der barbarischen, fleischfressenden, galgengesichtigen Welt; aus der Welt des Fiebers, des Schiebers, des Kassibers; der Gebrechen, der Sorgen, der Verbrechen; aus der Welt des Wahnsinns, des Stumpfsinns, des Eigensinns; des Profits, des Sprits, des Rauchs; der Lykanthropie, der Pyromanie, der Syzygie; und umgekehrt….; mit einem Wort, aus der Welt.

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⚽ Anna Gavalda: „Zusammen ist man weniger allein“ (s. Fischer Verlag, [2004] Übersetzung: Ina Kronenberger, 2006) – Die Verfilmung des Bestsellers gefällt mir zwar, doch das Buch hat mich viel mehr berührt. Es zeigt mir stärker die Verzweiflung, den Zusammenbruch, also die existenzielle Tiefe, woher die Romanfiguren kommen, als sie einander gegenseitig das Leben verändern. Anna Gavalda erzählt unverhüllt über unser Zeitalter, ihr Schreibstil ist genauso extravagant, wie ihre Figuren sind.

⚽ Antoine de Saint-Exupéry: „Nachtflug“ (S. Fischer Verlag, [1931], Übersetzung: Hans Reisiger, 1976) – Saint-Exupéry beschreibt das Fliegen öfter als Schweben durch die Luft, wie ein Schiff schwimmt zwischen den Wellen. Denn Flugzeuge kämpfen sich tatsächlich durch wilde Gewitter und graben ihre Furchen in die Atmosphäre, die nicht nur Luft, doch auch Wasserdampf (Wolken, Niederschlag) enthält. Hier eine innige Szene:

„Die Frau des Piloten, durch das Telefon aufgeweckt, betrachtete ihr Mann und dachte: >Ich lass ihn noch ein bisschen schlafen.< Sie bewunderte diese nackte, klargewölbte Brust, sie musste an ein schönes Schiff denken. Er lag hier im Bett geborgen wie in einem Hafen, und damit nichts seinen Schlummer störe, strich sie da und dort eine Falte fort, einen Schatten, eine Woge; glättete dieses Bett, wie eine Göttin mit schützender Hand das Meer.“ Kapitel X

Und erstaunlich: sowohl die Perspektive der Frau als auch die des Mannes sind da – in der gleichen Szene.

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⚽ PG Wodehouse bringt die Leser mit seinen Wortspielen und ironischen Beschreibungen zum Lachen. Seine komischen Figuren bringen alles durcheinander. Diese, meist verliebten Personen geben die Hoffnung nie auf, sie haben immer eine irre Lösung parat. Manche entführen zum Beispiel die Königin von Blandings, das geliebte Schwein des Schlossherrn, Lord Emsworth. Wenn es an der Fantasie des Lords Bruders, Galahad liegt, taucht das Schwein wieder in einem eleganten Zimmer des Schlosses auf. Meine Auswahl: „Vollmond über Blandings Castle„, „Sommerliches Schlossgewitter„, „In alter Frische

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