Haegue Yang E T A

Das Museum Ludwig in Köln zeigt eine umfassende Ausstellung von Haegue Yang. Die Künstlerin hat ihre Studios in Berlin und in Seoul, und stellt seit 1994 international aus.

Wie immer, möchte ich einige Eindrücke teilen, ohne einen Anspruch auf die Vollständigkeit. Gleich am Anfang befinden wir in einem großen Raum, der grundsätzlich kühl ist, auch wenn draußen die Sonne scheint. Doch dann, wenn wir an den Objekten im Raum vorbeigehen, um sie herum spazieren, aber auch wenn wir aufmerksam oder einfach langsam durch den Raum gehen, erfahren wir merkwürdige Empfindungen: es ist einmal windig, dann feucht, dann warm. (Installation „Series of Vulnerable Arrangements – Version Utrecht“ 2006).

Mitten im Raum bilden von oben hängende Jalousien einen kleinen Innenraum, wo wir die Leinwand von zwei Seiten betrachten können. Hier läuft ein Video und eine Tonspur („Video Trilogie“), die das Reisen, unsere Gefühle beim Entfernen vom Vertrauten, beim Ankommen im Fremden thematisiert. Es werden Gefühle aufgezeigt, die in uns allen entstehen, und die uns manchmal plagen, die wir deshalb manchmal zu unterdrücken und zu kontrollieren versuchen. (In der Ausstellung finden wir noch ein paar offene, doch geschützte kleinere Räumlichkeiten für Anhören und Ansehen von mit einander verbundenen Ton- und Videoaufnahmen.)

Wir können uns in diesem kleinen durchsichtigen Raum hinsetzen, aber wir können uns den Film auch außer ihm stehend ansehen. Die Jalousien lassen nicht nur das Licht durch, wie eine Glasscheibe, sondern auch die Stimmen und auch die Luft können durch sie strömen. Der Raum ermöglicht deshalb viele Zugangsmöglichkeiten und die Luft um uns herum in ihrer Änderungsfähigkeit und Materialität wahrzunehmen. Das Konzept (und auch die Umsetzung) begeistert mich, denn es weckt in den Besuchern die Sensibilität für das zentrale Thema: Gefühle bei Erfahrungen von dem Vertrauten und dem Fremden.

In einem anderen Raum stehen oder hängen bunte verflochtene Objekte, die aus vielen alltäglichen Gegenständen bestehen, wie Perücke, Stroh, Lampe oder Glöckchen, in denen man die praktische Anwendung noch erkennen kann („Series of Vulnerable Arrangements – Seven Basel Lights“). Sie stehen da wie Vogelscheuchen, Spielzeuge oder Figuren aus einem Märchen, sie sind gleichzeitig schrecklich und anziehend. Wir fühlen uns hier, wie unter Kulissen von „Alice im Wunderland”. Also in einer Zauberwelt.

Wieder in einem neuen Raum hängen rote Jalousien von oben zu verschiedenen Tiefen, bis zur Kopfhöhe von Menschen oder Kindern („Mountains of encounter“). Sie bilden eine Labyrinth-ähnliche Installation, man kann unter und zwischen ihnen laufen. In diesem Raum kreisen einige Lichtobjekte, damit die Jalousien auf die Wände bewegliche Schatten werfen. Und nicht nur Streifen der Jalousien, natürlich auch menschliche Formen der Besucher tauchen in dem Schattenspiel auf. 

Haegue Yang: ETA 1994–2018 Museum Ludwig Köln 18. April – 12. August 2018

Auf der Homepage des Museums befinden sich Bildergalerie, Biografie und andere Informationen.

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