Die komische Welt der Diebe – Ocean’s 8 (2018)

Das „Ocean’s Franchise“ hab‘ ich einfach gern. Schon der „Ocean‘s 11“ war eine Neuverfilmung („Frankie und seine Spießgesellen„, 1960), und ein verwickeltes Heist-Movie. Wie der erste Film in der Reihenfolge, so sind auch „Ocean‘s 12“ und Ocean‘s 13“, zwischen 2001 und 2007 – Regisseur: Steven Soderbergh: voller Humor, Spannung, Wendungen und Reflexionen auf die Fiktionalität, gleichzeitig Andeutungen auf die Welt des Filmstarts und Reflexionen auf Promis selbst, und wie es sich trennt, Filmstar und Mensch zu sein.

George Clooney, Brad Bitt, Matt Damon usw. reflektieren auch ihr Superstarsein, ab und zu reden aus ihrer Rolle heraus und spielen den Superstar, wie dieser für das Publikum aufgebaut und bekannt ist. Es ist doch klar, beide Rollen sind fiktiv. Und beide Rollen sind sehr maskulin und machohaft. Besonders die zwei Hauptfiguren. Ihre Körpersprache und Sprachstil betonen (und mehr: gekünstelt vorspielen) männliche Eleganz, Distanziertheit, Ungezwungenheit, dadurch parodieren sie auch ihr gekünsteltes Benehmen als Filmstars.

Wie sehr maskuline Prinzipien hier ausgespielt werden, verstand ich erst beim „Ocean‘s 8„. In einem bestimmten Sinn ist er wieder eine Neuverfilmung. Debbie Ocean (Sandra Bullock) ist die Schwester von Danny Ocean (George Clooney), wie auch er, kommt sie am Anfang des Filmes aus dem Gefängnis, und will ein neues, einfaches Leben führen, doch tut das Gegenteil. Sie entwickelt einen präzisen Masterplan, um eine Diamanthalskette zu entwenden. Dazu gewinnt sie ihre Freundin (Kate Blanchett, sie sieht aus, sie bewegt sich, meiner Meinung nach, wie eine weibliche Rhys Ifans), und andere Helferinnen. Anne Hathaway parodiert Anne Hathaway. Sandra Bullock spricht übrigens ein paar mal Deutsch im Film. Alle Frauen erinnern ein wenig an verspielte Machos, doch auch an verspielte Glamour-Ladies. Ich mochte persönlich die Modedesigerin (Helena Bonham Carter) am liebsten.

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Anne Hathaway, Helena Bonham Carter (Still aus dem Trailer)

Ocean’s 8“ ist ein verwickeltes Heist-Movie, das eine selbst-reflektierende Satire ist, und das sich geschickt zwischen Realität und Fiktion bewegt – mit Frauen, dass heißt, weiblichen Filmstars, weiblichen Prinzipien, auch wenn manchmal in traditionell mehr für Männer belegten Rollen (siehe Diebe). Das bedeutet nicht, dass diese Rollen wirklich mehr männlich wären, nur stereotyp sind sie mehr männlich belegt. Wieso wäre männlich Hacker (Rihanna) oder Falschspieler (Awkwafina) zu sein? Doch der „Ocean‘s 8 ist kein Remake, das einfach alles in die Inverse übersetzt. Sonder ein, das gleichzeitig alles in die Inverse übersetzt und auch nicht. Er spielt die stereotypen weiblichen Prinzipien aus, wie weibliche Modedesignerin, Damen mögen Diamanten und tragen auffallende sexy Designklamotten gern.

Der Film behält ein wichtiges Merkmal der „Ocean‘s“ Reihenfolge bei: Vertrauen zwischen Freunden, als zentrale Aussage, welche dem ganzen Unterwelt-Milieu und der Betrugsthematik gegenübersteht. Doch ändert sich die Liebesgeschichte: Debbie will den Mann nicht zurückbekommen, den sie verloren hat. Soviel zur Story.

Den „Ocean‘s 8 halte ich für feministisch, auch wenn ich weiß, dass es mehr Feminismus-Begriffe gibt, die den Film nicht als feministisch definieren. Feministisch in einem bestimmten Sinn, meiner Meinung nach, weil er männliche und weibliche Prinzipien in Frage stellt, ohne sie abzulehnen, und zeigt Frauen als gleichberechtigte Akteure. Es geht darum: bist du Frau oder Mann, (auf der Fiktionsebene: Dieb oder Dieb), du muss Akteur sein, selbst den Masterplan besitzen, nach dem du handelst (sonst tun das andere), wenn du hier überleben willst.

Und das als Publikumskino. Außerdem kein männerhassender oder männerablehnender Film. Selbst der Regisseur, Gary Ross, und Steven Soderbergh, der als Producer den Film unterstützt, sind Männer. Ich genoss ihn, ein sehr unterhaltsames, ausgewogenes Kino.

USA 2018
Regie:
Gary Ross
Drehbuch: Olivia Milch, Gary Ross
Darsteller: Sandra Bullock, Cate Blanchett, Anne Hathaway, Mindy Kaling, Awkwafina, Sarah Paulson, Rihanna, Helena Bonham Carter
Produktion: Village Roadshow Pictures
Verleih: Warner Bros.
Länge: 110 Minuten
FSK: ohne Altersbeschränkung

 

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