Drehen an dem Kaleidoskop

Prem Rawat: Der Papagei, der alles wusste und nichts konnte. Weisheiten, die glücklich machen, Gütersloher Verlagshaus, 2018 ISBN 978-3-579-08703-0

Das Cover hat mich sofort angesprochen. Es versprach etwas lustiges, wie quatschende Papageien, etwas wohltuendes, wie eine tropische Erholung. Mein 10 Jähriger Sohn schnappte als erster das kleine Buch. Es gibt darin auch kleine Zeichnungen. Ihm haben die Fabeln sehr gut gefallen, er empfahl mir sie zu lesen. Weisheiten, wie auch Geschichten und Gedichte, die von einer anderen Kultur herkommen, machen mich immer neugierig, denn sie können mir vielleicht eine neue Perspektive bieten. Sie ändern dann das farbige Muster in meinem Kaleidoskop.

papagei

So las ich ganz erwartungsvoll die erste Fabel: „Der undichte Krug“. Ein Gärtner trägt Tag für Tag Wasser in zwei Tonkrügen zu seinem Garten. Im siebten Satz beginnt der eine Krug zu sprechen. Hier wusste ich, dass es für mich ist. Der unversehrte Krug klärt den kaputten über das verlorene Wasser auf. Dann fragt der Gärtner den Krug: „Warum bist du so traurig, mein Freund?“ Natürlich tröstet er den undichten Krug mit Blumen und Bienen, die den Weg zum Garten beleben und schmücken. Das ist eine Geschichte zur Einstimmung. Bei mir erfüllte sie ihren Zweck.

Berührt zu werden, Dankbarkeit und Lebenslust zu verspüren, diese Gefühle bringen Empathie und Stärke.“ S. 93

Prem Rawat wurde in Nordindien geboren, er ist Friedensbotschafter, er setzt sich für bessere Lebensbedingungen und Frieden in den ärmsten Regionen der Welt ein. Er erzählt in diesem Buch unter vielen anderen Geschichten das Beispiel der Schildkröte, die weigerte sich vom Picknick nach Hause zu gehen, um den Flaschenöffner zu holen, weil er Angst hatte, dass sein Bruder in seiner Abwesenheit das mitgebrachte Brot aufessen wird. Und statt zu gehen, sich versteckte, und wartete darauf, dass sich seine Beurteilung bestätigte.

Prem Rawat meint, dass der Mensch meist so handelt, wie diese kleine Schildkröte, und so immer wieder den Frieden in seinen zwischenmenschlichen Beziehungen gefährdet. Es geht jedoch auch um den inneren Frieden. Prem Rawat wirft Probleme auf, denen Menschen, die im Wohlstand leben, die keine existenziellen Sorgen haben, ebenso ins Auge sehen müssen, wie alle anderen.

Der Papagei, der alles wusste und nichts konnte ist ein kleines Buch mit vielen Fabeln und berührenden Weisheiten, die zum Nachdenken inspirieren.

„Wenn dieses Leben deine Geschichte ist, würdest du nicht wollen, dass es eine interessante Geschichte ist? “ S. 13

Ich danke für das Rezensionsexemplar dem Verlag.

Eine Leseprobe befindet sich hier.

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