Kampfkunst und Tanztheater

Sutra: Sidi Larbi Cherkaoui / Sadler‘s Wells, Mönche des Shaolin-Tempels Henan

Während des Düsseldorf Festivals hatte ich die Möglichkeit, das Stück „Sutra“ anzusehen, welches von der Kampfkunst der Shaolin-Mönche inspiriert ist. Der Choreograph, Sidi Larbi Cherkaoui (Antwerpen, 1976), ist ein Tänzer flämisch-marokkanischer Abstammung. Ein Star der internationalen Tanzszene, wer in seinen Choreographien Elemente aus verschiedenen Kulturen, Religionen und Tanzstilen verwendet.

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2007 besuchte er einen 1500 Jahre alten Shaolin Tempel in der chinesischen Provinz Henan, und fing eine Arbeit mit zen-buddhistischen Mönchen an. Es entstand eine Bewegungstheater-Produktion, die sich auf Kung Fu-Bewegungen aufbaut. Die Tänzer (Mönche) führen die Bewegungssequenzen synchron oder vereinzelt aus.

Der Bühnendesigner ist der britische Turner-Preisträger Antony Gormley. Er gestaltete einen Raum, in dem sich kaum andere Gegenstände, nur 18 vollkommen gleiche hölzerne Kisten befinden. Sie sind groß und leer, wie Sarkophagen. Die Tänzer formen während des Stücks die Einrichtung. Sie liegen in den Kisten, sie klettern auf sie hoch, sie verstecken sich hinter ihnen, und sie bauen aus ihnen. Dadurch werden die Kisten auf der Bühne ständig bewegt, und so bilden sie mit einander immer neue Bühnenbilder, Bühneneinrichtungen: zum Beispiel Brücke oder Tempel. Auf der einen Seite der Bühne hinter einem Vorhang spielen fünf Musiker Klavier, Cello, Geige und Schlaginstrumente. Sidi Larbi Cherkaoui lud den polnischen Komponisten, Szymon Brzóska ein, Musik für das Stück zu komponieren und sie darzubieten.

Am Anfang des Stückes spielt ein Mann mit einem Knaben ein Gesellschaftsspiel in einer Ecke der Bühne. Sie schieben Blöcke auf dem Spielfeld hin und her, während auch die Kisten auf der Bühne bewegt werden. Das, was das Publikum auf der Bühne sieht, ist deshalb in verschiedenen Sinnen ein Spiel, welches der Choreograph inszeniert, ein Gedankenspiel, ein Schauspiel, ein Wettkampf. Die Shaolin-Mönche bilden eine geschlossene Gesellschaft, der Choreograph dirigiert sie, aber wird nie ein von ihnen. Er bleibt ein Tänzer, der allein tanzt, auf der sinnbildhaften Ebene in der Rolle des Gegenübers. Sein Tanz hat eine andere Choreographie: er macht Tanz- und Bewegungstheater, während die Tanzsprache der Mönche in erster Linie die Kampfkunst ist.

Die Mönche können mit ihren Bewegungen Tiere nachahmen, Kampfszenen vorspiegeln. Ihre Bewegungen enthalten auch viel Akrobatik. Es werden gesellschaftliche, menschliche Konflikte, Machtspiele vorgeführt, die Problematik des Individuums und der Gemeinschaft, es werden kleine Kriege geführt, menschliche Gebilde gebaut und zerstört. Unvorstellbar, bis man die Produktion nicht gesehen hat.

In Oktober wird diese in Bilbao, Brüssel, New York und Göteborg aufgeführt, doch auch andere Stücke von Company Eastman (Sidi Larbi Cherkaoui) bereisen die Welt, im Mai wird ein Stück (Alceste) in Deutschland, in München zu sehen.

 

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