Garten Eden Korfu

Gerald Durrell: Meine Familie und andere Tiere, [1956] Deutsch von Andree Hesse, Piper 2018 ISBN 978-3-492-05917-6

Gerald Durrell (1925-1995) wurde in Indien geboren, arbeitete als Tierfänger und nahm an mehreren Expeditionen teil – auf der Suche nach seltenen Tieren. Ab 1950 arbeitete er an sieben Fernsehserien mit, zudem wurden seine frühen Expeditionen von der BBC verfilmt. Er schrieb 37 Bücher, und gründete auf der Kanalinsel Jersey einen eigenen Zoo, um bedrohte Tierarten vor dem Aussterben zu bewahren. Er war Zoologe und Schriftsteller, sein Werk vereint in sich erzählerische und naturwissenschaftliche Qualitäten.

anderetiere
Ist das Cover nicht schön?

Meine Familie und andere Tiere“ (1958 als „Meine Familie und anderes Getier“ Berlin Frankfurt Wien, Ullstein) ist im Oktober erschienen, worüber ich mich richtig freue. Das Buch erzählt die Erlebnisse des Schriftstellers auf Korfu, wo seine Familie fünf Jahre verbracht hat.

1935 sind die Mutter und die vier „Kinder“, Larry (Lawrence Durrell, Schriftsteller) bereits 23 Jahre alt, Leslie 19, Margo 18 und Gerry (Gerald Durrell) 10 nach Korfu umgezogen. Die Vegetation der Insel wirkt in seiner Beschreibung so pompös und üppig, wie man sich den Garten Eden vorstellt. So sieht der Garten des erdbeerroten Hauses aus:

Rosen verloren flammend rote und mondweiß glänzende Blütenblätter; so groß und glatt wie Untertassen. Wie Kinder zotteliger Sonnen beobachteten Ringelblumen die Bahn ihrer Eltern am Himmel. Am Boden reckten Stiefmütterchen ihre samtenen, unschuldigen Gesichter durch die Blätter, während die Veilchen betrübt den Kopf unter ihre herzförmigen Blätter hängen ließen. Die Bougainvillea, die üppig über den winzigen vorderen Balkon wucherte, war wie für Karneval mit laternenförmigen Magentablüten behängt. Im Dunkel der Fuchsienhecke tanzten erwartungsvoll Tausende ballerinengleiche Blüten.“ S. 36

Jeder Familienmitglied vermag seine Leidenschaften, ob für Literatur, für Schießgewehr oder für Tiere, frei ausleben. Der kleine Gerry bewandert auf diese Weise die Insel und beobachtet ihre Tierwelt und entdeckt ihre wunderbaren Geheimnisse, wie zum Beispiel eine Schatzkammer der Falltürspinne, oder ein gewaltiges Nest aus sorgfältig verflochtenen Stöcken einer Elster-Familie, von dem er zwei Küken zu sich nach Hause nimmt. Er sammelt Käfer, Skorpionen, Schildkröten, Finken, Eulen und Hunde, also einen ganzen Zoo.

Fantastischer als sein Hauszoo sind nur die Menschen, die er auf der Insel kennenlernt. Wie zum Beispiel Agathi, die ungefähr 70 Jahre alte Griechin mit glänzend schwarzem Haar, die mit einem Spindel vor ihrem Haus sitzt und Wolle spinnt. Mit Agathi singt er Liebeslieder, dabei einander gegenseitig kokette Blicke werfend. Der außergewöhnlichste Mensch ist gewiss der Rosenkiefermann. Er spielt auf einer Hirtenpfeife hypnotische Melodien, trägt im Hutband einen wogenden Wald aus Federn, und seine Jackentaschen sind so voll, dass der Inhalt herausquillt: Luftballons, Heiligenbilder und Olivenholzschnitzereien. Er hält in der Hand eine Reihe Baumvollfäden, an deren Enden jeweils ein goldgrün schimmernder Rosenkäfer gebunden ist, und die Käfer brummen um seinen Hut herum.

Nicht viel weniger einzigartig sind Garry‘s Hauslehrer. Nehmen wir Georg, der tanzt, während Garry mit Matheaufgaben beschäftigt ist. Georg tänzelt und dreht Pirouetten, wie ein trübseliger Kranich, und er summt zu dem Tanz wie ein Schwarm aufgeschreckter Bienen. Larry‘s Künstlerfreunde kommen Gerry wie Eulen, Garnelen und Pferde vor. Die meisten Menschen zeichnet Durrell aus dem Blickwinkel des jungen Tierforschers: durch tierische Bilder. Das heißt nicht, dass diese Menschen skurril wären, im Gegenteil. Sie sind bewundernswert.

Das Schönste in diesem Buch ist, dass Durrell zwar jede Menge interessante Kenntnisse über verschiedenste Tiere liefert, doch grundsätzlich unheimlich liebevoll und lustig über Menschen erzählt, die ihm ebenso interessant, eigenartig und eben deshalb bemerkenswert sind, wie die Tiere. Ich kann nicht anders als seine Sichtweise in den Himmel zu loben. Man dürfte auch Spiro nicht vergessen, den lauthalsen großen Griechen, der sich unermüdlich bemüht, der Durell-Familie in allen Noten behilflich beizustehen. Oder Theodor Stephanides, den griechischen Naturwissenschaftler und Schriftsteller, der mit Gerry so redet, als ob er in seinem Alter wäre. Auch der Doktor hatte seine bestimmte, merkwürdig anmutende Art, wie er sprach und die Umwelt betrachtete.

Die Deutsche Fassung ist sehr anspruchsvoll und bietet eine genüssliche Lesung. Die Verfilmungen können das Leseerlebnis der Durrell-Bücher überhaupt nicht wiedergeben. Andere Familienlieblinge sind: „Der Spottvogel,“ „Eine Verwandte Namens Rosy“, die bei Vorlesungen niemand langweilig werden.

Sie sind ja weltbekannt: Was hält Ihr von Gerald Durrell und von seinen Büchern?

Ich danke dem Piper Verlag für das Rezensionsexemplar.

Bildergalerie: Griechische Insel

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