Der verschwundene Kreuzer


P. Howard: Ein Seemann und ein Gentleman. [1938] Elfenbein Verlag, Berlin 2008

Wenn ich schlechte Laune habe, oder mir Sorgen mache, oder aber viel Stress erlebe, lese ich am liebsten P. Howard (Jenő Rejtő, ungarischer Schriftsteller 1905-1943). Seine besten Abenteuerparodien sind witzig, satirisch, verwickelt und moralisch augenzwinkernd ermunternd. Sie lassen zum Schluss die Guten (auch wenn sie aus dem Underground herkommen) siegen.

Das Schiff fährt nach Mandalay (Myanmar)

In dem Gaunerroman, den ich heute empfehle, werden wichtige Staatsaffären Großbritannien von einer Truppe aus muskulösen Landstreichern gelöst. Sie entwenden nämlich den Panzerkreuzer „Radzeer“, um einen englischen Offizier, der seine Braut ermordet haben soll, deshalb vor der Todesstrafe (wer weiß wohin, vielleicht) zur Fremdenlegion geflüchtet und verschwunden ist, und jetzt sehr wahrscheinlich um sein Leben kämpft, zu retten. Denn nur er kann seine militärisch sehr wertvolle Erfindung vervollständigen.

Der rothaarige Rostig, der berüchtigtste Schläger einiger bedeutender Häfen, gründet eine Aktiengesellschaft, um die moralischen und finanziellen Konsequenzen aus der Geschichte ziehen zu können. In diesem zwielichtigen Milieu der Schmugglern und über eine gefälschte Identität verfügenden Matrosen hat jeder einen komischen Namen.

„Man kann die Menschen nicht mit der unbequemen Frage behelligen, wie sie heißen. Lieber gibt man ihnen einen neuen Namen, den er im anderen Hafen einfach von sich werfen kann.“ S. 12.

In dieser Gesellschaft erhält jeder einen Rang aufgrund seines Verbrechens. Rostig stellt zum Beispiel den Bengel, namens Bubi, der sich für den Bruder des englischen Erfinders ausgibt, dem schmutzigen, in einer Bretterbude (mit dem Schild eines Reisebüros) wohnenden Informator, der Pharao heißt und sich für französischen Beamten ausgibt, vor:

„Verachte ihn nicht wegen seines schmächtigen Gestells. Er wurde heute aus dem Gefängnis entlassen: zwei Jahre, da er einen Fregattenkapitän niedergestochen hat.“ S. 18

Das stimmt zwar nicht, aber daraufhin blickt der französische Staatsbeamte etwas respektvoller auf den Bengel.

Bei der Lektüre kann man mit lauten Lachausbrüchen rechnen, trotzdem bleibt die Geschichte höchst spannungsvoll. Sie ist mein guter Begleiter zum Urlaub (und auch ein typisches Geschenk für Freunde, die gerne lachen).

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