Input

Als ich ungefähr 18 war und vor dem Abitur stand, „besaß“ ich sehr viel: hatte eine beste Freundin, einen gutaussehender, klugen, netten Freund, ein gutes Zeugnis. Doch es fehlte mir an Input.

Ich kann es in einer Szene erzählen: Wir gingen mit meiner Freundin fröhlich durch die Stadt, wir quatschten. Es gab keinen guten Film im Kino, keinen anspruchsvollen Ort für Jugendliche, wir gingen deshalb durch die Stadt spazieren, wie immer. Wir quatschten über die Liebe.

Wir waren voller Liebe, so voll, dass wir das Gefühl hatten, die Liebe könnte aus uns überfließen. Wir konnten keine ausreichenden Objekte für unsere Liebe finden, wir liebten sogar das Regen, doch auch die im Sonnenschein badenden Wiesen voller Unkraut und die hässlichen Häuser unserer Stadt oder die Schokoladen, auf die wir begierig waren, die wir uns aber meistens verboten. Wir waren auch verliebt.

Falling (Adriano Cirulli, 2011) Experimental-Kurzfilm

Mein Freund war vielleicht noch ein Stück mehr von mir hin- und hergerissen als ich von ihm (Meinung der Freundin), er brauchte (von mir) mehr Dominanz, aber ich fühlte mich in der dominanten Rolle nicht vollkommen wohl. Aber das war eine Kleinigkeit, keine Beziehung ist perfekt. Was aber uns allen fehlte, war: Input. Die Uni war damals dann die Antwort.

Diese keineswegs traurige Szene beschreibt für mich die Pubertät noch immer oder jetzt wieder, als meine Kinder in die Pubertät eintreten: voller Gefühle noch ohne Objekt und fehlender Input. Die Jugendlichen heute sind mehr isoliert als wir waren. Wie finden sie zu einander, diejenigen, die mehr Input brauchen? Was zu tun?

8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Weiss-Nix sagt:

    Mmmh,…input? Ich denke daran würde es nicht fehlen, wenn man sich auf die Socken macht, die eigene Komfort Zone verlässt, um die Welt zu entdecken, Risiken eingeht, Herausforderungen erlebt und sie meistert – und zwar ALLEINE.

    Kurzum, „Input“ ist eine Holschuld und keine Bringschuld.

    Heutzutage sind die Jugendlichen m.E. leider nur vordergründig selbstständig…dank Helicopter- (im Kindesalter) und später Curling-Eltern im Jugendlichenalter.

    Nein, es fehlt nicht an Input, man muss die Brut nur aus dem Nest schubsen und fliegen lassen, auch wenn sie hin & wieder vom Leben gerupft werden. Erst so können sie sich entwickeln. So entsteht Selbstständigkeit, Selbsterkenntnis, Selbstbewusstsein und Resilience, auf welche jeder im Laufe des Lebens irgendwann angewiesen ist.

    Die Vollkaskoversicherung durch das Elternhaus tut den Kids langfristig nicht gut.

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    1. Veronika sagt:

      Da bin ich einverstanden, dass den Input nicht die Eltern einbringen sollten.
      Doch meine Erfahrung ist, dass die Pubertät mit sehr viel Liebe und intensiven Gefühlen herumgeht. Man sucht sich „Objekte“ für Begeisterung, man verliebt sich „in die Welt“. Man braucht und sucht sich Input. Aber man braucht auch andere Zeitgenossen, die das ähnlich erleben.
      Ich frage mich, ob Elternhaus, Netflix, Instagram, Computerspiele usw. nicht das Gefühl geben, man würde keinen Input mehr brauchen.
      Ich finde, dass dieses Gefühl ist wichtig, der Überfluss der Gefühle, und der Wunsch, mehr Imput einholen zu wollen. Und dazu Freunde zu finden, die Gelbstwertgefühl geben und brauchen.

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      1. Weiss-Nix sagt:

        Ich verstehe deinen Punkt. Da ich deine Zielen – insbes. in Bezug auf die Social Media VIRTUAL „Reality“ – lese, kommt mir der leise Verdacht, dass die jüngere Generation womöglich nicht unsere Denke teilen. Das heisst, gar keine Wert auf „echten“ Input – das reale Leben i.S.d. non-virtual reality – legen. Ist doch nur allzu bequem sich permanent selbst darzustellen, ein Image und Scheinidentität zu kreieren und in einer virtual bubble zu leben anstatt sich den Herausforderungen eines Alltags zu stellen, in dem es eben nicht immer um Selbstverwirklichung und -darstellung (also um sich selber) geht….Ich vermute, dass dieser Fokus on Social Media, Lifestyle Gedöns, Beauty & Fashion, Konsum, fake-Reisen u.a. ein Zeichen für Kompensation und niedrigen Selbstbewusstsein zu tun hat. So wie man ist (ohne Lifestyle / Konsumterror / glanzvoller Karriere), mein man nicht zu genügen. Überangepasstheit nennt man das. Warum das alles? Aus Angst davor nicht anerkannt, gemocht und geliebt zu werden. Woher kommt diese Angst? Meist aus der Erfahrung NICHT BEDINGUNGSLOS geliebt worden zu sein.

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      2. Veronika sagt:

        Ich habe mich noch nicht einmal bedankt für deine liebevollen Kommentare. Also lieben Dank! Ich denke darüber nach.

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      3. Weiss-Nix sagt:

        Danke für DEINEN „Input“! 😉

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      4. Weiss-Nix sagt:

        PS: Es ist natürlich tragischerweise schwierig echte Freundschaften und Vertrauensverhältnisse aufzubauen, wenn man sich selsbt zu einem Dasein als Selbstdarsteller verdammt hat. Ich bin jedoch deiner Meinung, dass es super wichtig ist, Freunde gleichen Alters zu haben. Ganz klassisch können zum Bsp. Vereine und Clubs helfen, denke ich.

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      5. Veronika sagt:

        Ja, das ist schwierig.

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  2. Weiss-Nix sagt:

    Entschuldigung für die Tippfehler. Multitasking klappt wohl nicht immer…

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