Freundschaft

Auf die Freundschaft – Die weise Schwester der Liebe. Eine Auswahl von Freundschaftstexten aus der Weltliteratur. Herausgegeben von Rafik Schami, Manesse Verlag, 2019

„Kein Wort geht häufiger über Menschenlippen als das Wort »Freundschaft«, und kein Gedanke ist menschlicher Sehnsucht vertrauter. Jeder fantasiert von ihr, und ihr Schauspiel, das immer ein Trauerspiel ist, wird tagtäglich aufgeführt. Sie ist das Geheimnis des Weltalls.“

Das sagt Henry David Thoreau in seinem Essay im Buch (S. 24.) Wie viele Weisheiten und wie viele Geschichten wir schon über die Freundschaft auch kennen, werden wir nie satt von ihnen, nur hungriger für mehr. Das kleine Büchlein beinhaltet die unentbehrlichsten Schriftstücke zu dem Thema, wie zum Beispiel die von Aristoteles oder Konfuzius, und die herzergreifenden Worte über die wohlbekannte Freundschaft mit dem Fuchs von Antoine de Saint-Exupéry.

Im Buch ist auch der gefühlsvolle, mit Enttäuschung und Vorwürfen erfüllte Brief von Oscar Wilde an seinen Freund und Geliebten: „Epistola in Cancere et Vinculis“ zu lesen, der mit den Worten „Dein Dich liebender Freund“ endet. Um vielleicht die schmerzlichste Schrift zur Sprache zu bringen. Und dann um vielleicht die lustigste auch erwähnen zu können: eine Geschichte einer Zugfahrt aus Liverpool nach London, wobei ein Mann einen reifen Käse im Auftrag seines Freundes nach Hause transportiert, und damit die Toleranz seiner Mitreisender zuäußerst ausschöpft: „Ein Freundschaftsdienst“ von Jerome K. Jerome. „Auf die Freundschaft“ ist wie ein wunderschönes und unermessliches Schatzkästlein. Eine Sammlung von Texten, die man durch die Jahre immer wieder neu lesen, und in ihnen immer wieder Neues entdecken kann.

Mich beeindruckten diesmal am meisten die nicht-europäischen Weisheiten und Geschichten, zum Beispiel die Geschichte zweier Freunde, die in der Wüste die Lehre der Vergebung erfahren: „Von Kränkung und Rettung“ aus dem Persischen übersetzt, und die Weisheiten von Abu Haijan Al Tawhidi, die Rafik Schami aus dem Arabischen übersetzt hat. Ein von ihnen zum Schluss:

„Ein Mann sagte seinem Freund: »Ich liebe dich so, wie du bist.«

Da erwiderte dieser: »Wenn du wüsstest, was ich von mir weiß, würdest du mich verdammen.«

»Das werde ich nicht«, sagte der andere, »weil das, was ich von mir weiß, mich daran hindern würde.« (S. 188)

Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar.

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