Siddhartha

„Siddhartha“ ist eine literarische Schatzkammer besonders für jugendliche Leser, die Orientierungspunkte in der Welt suchen, die aber keine Welterklärung, keine direkte Lehre vollständig übernehmen wollen, sondern eine Vielfalt von Anstößen für ihre Suche brauchen. Eine Fülle von Gedanken, die auch das Andersdenken, die Freiheit der Entscheidungen erlaubt.


Die „indische Dichtung“ „Siddhartha“ ist allerdings sehr stilisiert, man kann die Geschehnisse nicht direkt auf die eigene Welt übersetzen. Sie wimmelt von einzigartigen Lebensweisheiten, wie ein Monsunwald von für uns Europäer exotischen Pflanzen und Tieren. Trotz der buddhistischen Lehren hat „Siddhartha“ auch ein westliches Gesicht. Hermann Hesse stellt nämlich das Ich in den Mittelpunkt der Suche – zu einem wunderbaren Wendepunkt der Erzählung, nachdem Siddhartha den Hain des Buddhas verlassen hat.

„Dass ich nichts von mir weiß, dass Siddhartha mir so fremd und unbekannt geblieben ist, das kommt aus einer Ursache, einer Einzigen: Ich hatte Angst vor mir, ich war auf der Flucht vor mir! Atman suchte ich, Brahman suchte ich, ich war gewillt, mein Ich zu zerstücken und auseinanderzuschälen, um in seinem unbekannten Innersten den Kern aller Schalen zu finden, den Atman, das Leben, das Göttliche, das Letzte. Ich selbst aber ging mir dabei verloren.“ S. 35


Siddhartha erlebt viele Stationen der Entwicklung. Seine Wege gehen spirituelle, geistliche, körperliche Lehren bis zur Selbstfindung und zum Frieden mit der Welt durch, ohne einem bestimmten Weg, einer bestimmten Lehre zu folgen (Hesse ließ sich nicht nur von der buddhistischen Lehre sondern auch von Laozi inspirieren).

Die Lektüre dieses Klassikers ist auch wie eine Sicheröffnung für viele mögliche Lebenswege. Ja, für Ströme! „Siddhartha“ ist nicht nur ein Klassiker, sondern ein Lieblingsbuch für viele Menschen, für mich auch. Ich empfahl dieses Buch für meine Tochter, weil sie sich gerade in dem selbstsuchenden Jugendalter befindet. Und nicht vergebens. Auch ihre begeisterten Worte nach der Lektüre forderten mich auf, die „indische Dichtung“ nochmal zu lesen. Ich nehme diesmal auch die Wichtigkeit des Zuhörens mit. Statt Sichquälen, Sichfürchten vielmehr meinem Ich, meinem Leben und dem der Anderen zuzuhören.


Siddhartha. Eine indische Dichtung. Suhrkamp, 2018, Erstausgabe: Fischer, Berlin 1922

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. castorpblog sagt:

    Danke, das kommt mir gerade richtig für meine Tochter

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    1. Veronika sagt:

      Gerne, das freut mich sehr!

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  2. TeteGina sagt:

    Diese Geschichte hat mich in meunen Jugendjahren sehr geprägt, für mich war Siddhartha meine „Rettung“… Liebe Grüße Tete

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    1. Veronika sagt:

      Liebe Tete, „Siddhartha“ hat tatsächlich wunderbare Wirkung :). Liebe Grüße Veronika

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