Ab mit den Trugbildern

Jan Peter Bremer: Der junge Doktorand, Berlin Verlag 2019 Als Teenager bewundert man die Boheme, das Künstlerleben, wie es in Biografien und Kunstbüchern über die Moderne beschrieben ist: Kaffeehäuser-Gespräche, bahnbrechende Zusammenarbeiten, außergewöhnliche Lebenswege, großartige Lieb- und Freundschaften… Fachbücher fabrizieren sicherlich Legenden, doch die neuesten Zeiten des Kunstbetriebs sind anders. Der Roman „Der junge Doktorand“ schildert…

Tante Martl

Ursula März: Tante Martl, Piper, 2019 Ich möchte zunächst ankündigen: Ein Roman ist sowohl als Fiktion wie als Realität zu lesen, falls er behauptet, eine wahre Geschichte zu erzählen. Das Buch „Tante Martl“ ist eine Hommage an eine geliebte Person, es schreibt ihren Namen unmissverständlich in unsere Erinnerung. Ursula März erzählt über ihre Tante, also…

Wandern in Harghita

Cheile Bicazului / Békás-szoros und Harghita-Băi / Hargitafürdő „Im Gebirge der Wahrheit kletterst du nie umsonst: Entweder du kommst schon heute weiter hinauf oder übst deine Kräfte, um morgen höher steigen zu können.“ Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister, 1878-1880. Zweiter Band. Erste Abteilung. Vermischte Meinungen und Sprüche Wandern ist – schon nicht…

Der geheimnisvolle Autor

David Foenkinos: Das geheime Leben des Monsieur Pick, ü: Christian Kolb, Duetsche Verlags-Anstalt, 2017 (2016) „Es gab überhaupt keine erfolgreichen Autoren mehr, abgesehen von ganz wenigen, und das waren nicht unbedingt die besten.“ S. 324 So sieht das jedenfalls Frédéric, ein der Hauptfiguren des Buches, ein junger Romanautor, nach einem wenig erfolgreichen Debüt. Was macht…

Rauch

Eine Sammlung von Kurzgeschichten, wobei ich nach jeder einzelnen spontan den Kopf hob, mir die Brille von der Nase zog, schweigend vor mich hin schaute, bevor ich weiter las. Ich mag dieses Innehalten (Nachdenken ohne konkrete Schlussforderung) beim Lesen sehr. Die kurzen Geschichten wirken, wie Rauch. Das Cover ist treffend schön. Der Text scheint manchmal,…

Magie im walisischen Schloss

Antal Szerb: Die Pendragon-Legende dtv 2004 (1934) ü: Susanna Großmann-Vendrey „Die Pendragon-Legende“ handelt – inbrünstig formuliert – von der Liebe zur Bibliothek, also zum Lesen, aber es tut das so zwischen den Zeilen. Der Roman ist ein spannender und zugleich amüsanter Krimi, der sich in London (zumal in der Bibliothek des British Museum) und auf…

Irdische Freuden in Singapur

Obwohl der Titel („Crazy Rich Asians“) mir nicht gefiel, las ich das Buch, als der Satz aus dem Mund meiner Tochter fiel: „Es ist ein wenig so, wie Stolz und Vorurteil von Jane Austen, nur in Singapur.“ Zwei junge schöne und intelligente Akademiker mit chinesischen Wurzeln verlieben sich und führen eine glückliche Beziehung in New…

„Der Wald ist die erste Zeile“ – Gerhard Falkner: Schorfheide

Gerhard Falkner’s Gedichte des Zyklus „Schorfheide“ erwähnen Worte, gesagte und verschwiegene, als ob sie Gras wären. Sie führen die Leser in die Natur, als ob diese aus Buchstaben, Worten und Sätzen bestünde. Ich begann „Schorfheide“ mit Vorfreude zu lesen: alles dreht sich in diesem Lyrikband um meine Lieblingsthemen, Wald, Bäume, Gras, Buchstaben, Schriften und Worte….